Brasilianische Ureinwohner besetzen Wasserkraftwerk


Río de Janeiro (dpa) - Etwa 300 brasilianische Ureinwohner haben ein im Bau
befindliches Wasserkraftwerk im Amazonas-Gebiet besetzt und zeitweise fünf
Manager als Geiseln genommen. Die mit Pfeil und Bogen bewaffneten Indios
fordern eine Millionenentschädigung, weil eine ihrer Begräbnisstätten
zerstört und ihr Lebensraum durch den Bau im Bundesstaat Mato Grosso
beeinträchtigt worden sei, berichteten nationale Medien. Die Manager sind
inzwischen wieder frei, aber die Baustelle war am Dienstag weiter besetzt.

Die Mitglieder von zehn verschiedenen Indio-Völkern verlangen umgerechnet
4,4 Millionen Euro als Entschädigung für den Verlust von Begräbnisstätte,
Jagdgebieten sowie wegen sonstiger Schäden. Das Kraftwerk «Dardanelos» mit
einer Kapazität von 216 Megawatt etwa 1000 Kilometer westlich von der
Hauptstadt Brasilia ist seit 2007 im Bau und soll im kommenden Januar fertig
gestellt werden.

Es ist Teil des ehrgeizigen Plans von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva
zur Industrialisierung des aufstrebenden südamerikanischen Landes. Schon
jetzt kommen landesweit etwa 80 Prozent des erzeugten Stroms aus
Wasserkraftwerken. Deren Ausbau, der vor allem im Amazonas-Gebiet
stattfindet, trifft aber zunehmend auf den Widerstand von Umweltschützern
und Ureinwohnern.

Das verantwortliche Unternehmen EAPSA zeigte sich «überrascht» von der
Besetzung. Das Werk beeinflusse den Lebensraum der Ureinwohner nicht, da es
42 Kilometer von dem nächstgelegenen Reservat entfernt sei. Es sei auch
keine Begräbnisstätte zerstört worden, was durch Archäologen nachgewiesen
werden könne. EAPSA ist ein brasilianisches Konsortium, das von privaten
Unternehmen für Bau und Betrieb des Kraftwerks gegründet wurde.

DPA - 27.07.2010

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