Flugzeughersteller und Fluggesellschaften haben ein Problem: Der Flugverkehr allein trägt Schätzungen zufolge derzeit zu knapp 5 % zum von Menschen verursachten Klimawandel bei.

Bis 2020 will die Flugzeugindustrie Steigerungen des Treibhausgasausstoßes stoppen und bis 2050 sollen die Emissionen halbiert werden.

 

Gleichzeitig steigt jedoch laut International Air Transport Association (IATA) das Flugastaufkommen von 2009 bis 2014 um 800 Millionen Personen auf 3,3 Milliarden Fliegende. Der Transport von Waren und Gepäck steigt von 2009 bis 2014 um 12,5 Millionen Tonnen auf 38 Millionen Tonnen. Auf der derzeit nah bei Paris stattfindenden Flugschau kündigte die Flugzeugindustrie an, mit Agrosprit Emissionsminderungen erzielen zu wollen, die EU-Kommission unterstütze dieses Ansinnen. Der BUND und sein europäisches Netzwerk Friends of the Earth Europe (FoEE) kritisierten, die Flugzeugindustrie und die EU-Kommission flögen geradewegs über die Faktenlage und die Warnungen vor Agrosprit hinweg, der erheblich zu Preissteigerungen und Hunger beitrage.Nach Recherchen [1] von FoEE bereitet die Lufthansa bereits erste kommerzielle Flüge in diesem Jahr vor. Versuchsweise soll im Rahmen des „burnFAIR“-Programms für sechs Monaten Agrosprit in Lufthansamaschinen eingesetzt werden, die zwischen Hamburg und Frankfurt verkehren. Das Unternehmen erhält allein 2,5 Millionen von 5 Millionen Euro, mit denen die Bundesregierung das sogenannte „FAIR“-Programm fördert, bei dem unter anderem Agrartreibstoffe im Flugverkehr untersucht werden. Auch KLM und Virgin Atlantic testen verschiedene Agrospritsorten. Die europäische Flugzeugindustrie plane bis 2020 jährlich 2 Millionen Tonnen Agrotreibstoffe einzusetzen. Der BUND mahnte, dies könne bis zu 3,5 Millionen Hektar Acker beanspruchen, eine Landfläche von der Größe Belgiens, die dann nicht mehr für den Lebensmittelanbau zur Verfügung stünde.

Robbie Blake, FoEE-Experte für Agrartreibstoffe sagte: “Die Europäische Flugzeugindustrie fliegt einfach über die Faktenlage zu Agrosprit hinweg. Agrokraftstoffe verstärken Armut und Hunger, verursachen Landraub und Abholzung, tragen zu Preissteigerungen bei Lebensmitteln bei und können den Klimawandel noch verschlimmern. Die Agrospritziele der Flugzeugindustrie mögen praktisch erscheinen als Greenwashing, um steigende Flugzahlen und Emissionen zu verschleiern. Zur notwendigen tatsächlichen Senkung der Treibhausgase trägt Agrosprit nicht bei.“

Gerade in dieser Woche diskutieren die Agrarminister der G20 Maßnahmen zur Eindämmung steigender Lebensmittelpreise. Internationale Institutionen wie Weltbank, WTO, UN und OECD hatten explizit gemahnt, dass Industriestaaten Agrosprit nicht weiter mit Zielvorgaben und Subventionen fördern sollten, weil diese Druck auf Nahrungsmittelpreise und weltweite Armut nach sich zögen. Der BUND und FoEE forderten von der Bundesregierung und der EU-Kommission die Förderung und die Beimischung von Agrosprit zu stoppen, statt den Einsatz von Agrosprit nun auch noch im Flugverkehr hochzutreiben. Die Agrosprit-Politik verursache soziale und ökologische Negativwirkungen, insbesondere wenn indirekte Effekte einbezogen würden. Im Flugverkehr würden Rohstoffe wie Palmöl und Jatropha anvisiert, deren Herstellung eng mit Abholzungen in den Tropen, irreparablem Verlust von Artenvielfalt, Menschenrechtsverstößen und Landraub verbunden sei.

Neuer Report von Friends of the Earth Europe (FoEE): Landraub und höhere Preise absehbar