reneeIm Frühjahr war Renee Mura auf Einladung der brasilieninitiative  f r e i b u r g  e.V. noch in Deutschland, um an verschiedenen Orten die Arbeit des Straßenkinderprojektes Casa Taiguara vorzustellen. Renee Mura war einer der Koordinatoren dieses Projekts und ist am vergangenen Samstag tragisch verunglückt.

 

25.11.2016 Mittwoch Abend: Renee holt mich in meiner Unterkunft ab und wir begeben uns in ein boteco (Kneipe). Wie immer wenn wir uns sehen geht es neben persönlichen Angelegenheiten um die Arbeit im Straßenkinderprojekt Casas Taiguara. Nach fast zehn Jahren gemeinsamer Taiguara-Arbeit hat sich darüber hinaus ein sehr persönliches Verhältnis entwickelt, eine Freundschaft entstand. Auch jetzt sprüht Renee vor Ideen, wir sprechen, verwerfen, entwickeln neue Ideen, - Cerveja (Bier) kommt nicht zu kurz, dazu gibt es bolinhos de bacalhau (Kabeljaubällchen).
Nach gut zwei Stunden fährt mich Renee zurück, wir vereinbaren, uns am Wochenende gemeinsam mit den Ehefrauen zu einem jantar (Abendessen) zu treffen. Er teilt mir noch mit, dass er am Samstag, 28.11., tagsüber seinem Hobby, Motor-Paragliding, nachgehen wird: Ein Hobby, welches er mit voller Leidenschaft ausübte, für ihn ein Ausgleich zu der anstrengenden Arbeit im Straßenkinderprojekt.
Samstag, wie vereinbart, schicke ich ihm eine Nachricht, wo wir uns zum Abendessen treffen könnten – keine Antwort – nachmittags erneuter Versuch - erneut keine Antwort. Normalerweise antwortet Renee in Kürze – seltsam. Sonntag, dann die Nachricht von seiner Frau, dass er tödlich verunglückt ist. Bei Ausübung seines Hobbies!
Schock, Trauer, Tränen: Mit ihm verliere ich einen über die Jahre lieb gewonnenen Freund, mit 43 Jahren zu früh, um aus dem Leben zu scheiden. Casa Taiguara verliert mit ihm einen innovativen Geist, einen Mann mit Visionen, umtriebig, bemüht Spenden einzutreiben und Casa Taiguara modellhaft voranzubringen.
Ich verliere persönlich einen brasilianischen Freund, mit dem ich über Jahre gut zusammengearbeitet habe, humorvoll, lebensfroh, unvergesslich sein herzhaftes, mitunter lautes Lachen, „ehhhhh cara“, sein offener Blick, seine Gitarrenmusik und auch einem guten Schlückchen Wein nicht abgeneigt.
Nicht nur für mich persönlich sondern auch für die brasilieninitiative freiburg e. V. ist der Tod von Renee Mura ein sehr schmerzlicher Verlust, war er doch in den letzten Jahren die entscheidende Brücke zu unseren brasilianischen Freunden vom Straßenkinderprojekt Casa Taiguara.
Wir werden versuchen die Ideen, die Renee mir zuletzt noch in der Kneipe darlegte, soweit möglich in die Realität umzusetzen. Wie sagte Renee noch am Mittwoch: „niemals werde ich meine Arbeit für Casa Taiguara aufgeben, wir haben schließlich schon Einiges erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun.“
Lasst uns in Renees Sinne die Arbeit mit den Straßenkindern im Taiguara-Projekt weiter solidarisch unterstützen.
Tchau meu amigo „Cearense“
Günther Schulz
und die anderen Mitglieder der
brasilieninitiative  f r e i b u r g  e.V.