taiguara2020 1Ein neues Haus fand man, es war nur noch eine Frage weniger Formalitäten bevor es bezogen werden konnte.
Doch die Politik machte einen Strich durch die Rechnung ...

 

Tiefgreifende Veränderungen

„Hier bekomme ich Zuwendung, man geht auf mich ein, ich kann mich entfalten“ Tatjana -16-
Diese und ähnliche Äußerungen waren jedes mal bei einem meiner zahlreichen Besuche im Straßenkinderprojekt Casa Taiguara in den vergangenen Jahren zu hören. Auch zu Beginn des Jahres 2019 schien die bisherige, äußerst erfolgreiche Arbeit des Taiguara-Teams sich fortsetzen zu können. Ein neues Haus fand man, es war nur noch eine Frage weniger Formalitäten bevor es bezogen werden konnte.
Doch die Politik machte einen Strich durch die Rechnung ,d.h. convênios, dies sind vertragliche Vereinbarungen zwischen der Stadt und dem Trägerverein Associação Moradia Civil wurden nicht verlängert, zwei Häuser, die bisher finanzielle Unterstützung von der Stadtverwaltung, Bezahlung der Personalkosten, bekamen, mussten schließen, der Mietvertrag wurde gekündigt.  Diese Häuser gab die , auch in Sao Paulo derzeit an der Macht befindliche, rechtsorientierte Stadtverwaltung an zwei evangelikale Einrichtungen. Für Valéria, die Leiterin von Casa Taiguara, eine eindeutig politisch motivierte Entscheidung. Galt doch das jetzt geschlossenen „Casa das Expedições“ über Sao Paulo hinaus als Vorzeigemodell.
Die Politik traf nicht nur Taiguara. Gab es vor einigen Jahren noch über 300 Häuser für Straßenkinder so ist deren Zahl inzwischen auf ca.110 gesunken und dies, obwohl nachweislich die Zahl der Straßenkinder zugenommen hat. Auch bei den erwachsenen Nicht-Sesshaften sieht dies nicht anders aus: deren Zahl ist 2019 auf ca. 60 000 angewachsen.

Aufgeben ist keine Alternative

Glücklicherweise befindet sich das „Ursprungshaus“ in der Rua Vincent Prado im Besitz des gemeinnützigen Trägers Moradia Associação Civil. So kam das Leitungsgremium, u.a. mit dem Gründer Daniel Fresnot, zu dem Entschluss die Arbeit mit Straßenkindern auf einer anderen Basis weiter zu führen.  
Die Entscheidung fiel ein „Casa de Cultura“ zu eröffnen. Dahinter verbirgt sich die Idee, Straßenkinder und Nicht-Sesshaften tagsüber mittels verschiedenen Kursangeboten nicht nur eine Beschäftigung anzubieten, sondern ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und sie im  Idealfall in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.
Zugleich gibt es für die Straßenbewohner – und hier erfolgte eine wesentliche Neuerung – Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene, die Möglichkeit sich zu duschen und um die Mittagszeit gibt es für ca. 20 Personen ein Mittagessen. Damit ist beabsichtigt eine Bindung herzustellen.

Dies allerdings ist derzeit nur möglich da neben freiwilligen Helfer/-innen auch die für ein Funktionieren fest angestellten Personen – Viviane, Valéria, Hailton, bisher weitgehend auf einen Lohn verzichten. Für die Köchin, Jô, fand sich ein privater Unterstützer,der für ein Jahr ihr ein monatliches Gehalt von einem Mindestlohn, umgerechnet 230 .-€, bezahlt.
Ein Aufgeben der Arbeit mit Straßenkindern kam nicht in Frage.

Abschied von einer Idee

Zur Gründerzeit, 1996, solange begleitet auch die Brasilieninitiative Freiburg e.V. diese Arbeit, war das Ziel den Straßenkindern auch nachts über eine Bleibe anzubieten, Casa Taiguara war rund um die Uhr geöffnet. Die Bettenkapazität reichte gerade in der Winterzeit oftmals nicht aus und so mussten-dies wurde nach einigen Jahren von der Stadtverwaltung verboten- Straßenkinder auf Matrazen auf dem Boden nächtigen. Damals war Casa Taiguara das erste Haus mit diesem Konzept. Viele Straßenkinderorganisationen bestanden, tagsüber durften die Straßenkinder kommen, frühstücken, duschen, sich aufhalten und abends mussten sie wieder auf die Straße. Unfassbar, da gerade nachts, v.a. die Mädchen Übergriffen ausgesetzt sind.
Casa Taiguara setzte dem ein anderes Konzept gegenüber, im Laufe der Zeit kam es zu mehreren Häusern, die Zahl der Beschäftigten stieg an und nicht wenige Kinder bzw. Jugendliche konnten durch die in Taiguara erfahrene Zuwendung den Weg weg von der Straße finden.
Die Entwicklung der letzten zwei Jahre zeigt jedoch auf klare Weise, wie eine philantropische Einrichtung im politischen Spiel sehr schnell auf der Strecke bleiben kann. Ohne eine Anbindung an eine Partei, eine Stiftung oder an eine kirchliche Einrichtung scheint eine solche Arbeit, abhängig von privaten Spenden, kaum langfristig gelingen zu können. 2019 hat dies nun auch Casa Taiguara erreicht, ein Umdenken war erforderlich um nicht ganz auf die so wichtige Arbeit verzichten zu müssen.

Wir, d.h. die brasilieninitiative f r e i b u r g  e.V. , begleiten auch künftig das Taiguara-Team. Jetzt suchen wir Unter/stützerInnen für die zukünftige Arbeit. Spenden bitte über Paypal hier:

oder wie bisher auf das Konto der

brasilieninitiative f r e i b u r g  e.V.
Volksbank Freiburg
IBAN: DE88 6809 0000 0025 0548 06
Stichwort „Taiguara“

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