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Volkswagen wegen Sklavenarbeit verurteilt

Am 29. August 2025 war es soweit: Richter Otávio Bruno da Silva Ferreira vom Arbeitsgericht in Redenção im brasilianischen Bundesstaat Pará verurteilte VW zu einer Entschädigungszahlung von 165 Millionen Reais (ca. 25 Millionen Euro) wegen der sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen auf der VW-Rinderzuchtfarm Vale do Rio Cristalino in den 1970er und 1980er Jahren. Dies ist die höchste Entschädigung, die jemals für Sklavenarbeit ausgesprochen wurde. Zusätzlich hat VW eine ganze Reihe weiterer Verpflichtungen zu erfüllen. Hierzu gehört, dass Volkswagen seine Verantwortung öffentlich anerkennt und sich bei den betroffenen Arbeitnehmern und der brasilianischen Gesellschaft entschuldigt. Auf 297 Seiten begründete Otávio Bruno da Silva Ferreira detailliert das Urteil. (s.https://brasilieninitiative.de/vw/urteilsverkuendung-im-wortlaut )

In einem Offenen Brief (https://brasilieninitiative.de/vw/offener-brief-an-den-vw-konzern-urteilsspruch-anerkennen) forderten die Kritischen Aktionäre und die Brasilieninitiative Freiburg e.V. sogleich den VW-Vorstand auf, den Urteilsspruch anzunehmen. Volkswagen scheint jedoch nicht dazu gewillt zu sein. Stattdessen wurde der Gang durch die Instanzen angekündigt und Auszüge aus einem Antwortschreiben aus der Firmenzentrale in Wolfsburg vom 18.9.2025 zeigen die Uneinsichtigkeit:

“(…) Volkswagen do Brasil nimmt die erstinstanzliche Entscheidung im Zusammenhang mit der Untersuchung des Bauernhofs Vale do Rio Cristalino zur Kenntnis, wird aber seine Verteidigung vor höheren Gerichten fortsetzen, um Gerechtigkeit und Rechtssicherheit zu erreichen.
Mit einer 72-jährigen Tradition hält sich das Unternehmen konsequent an die Grundsätze der Menschenwürde und hält sich strikt an alle geltenden Arbeitsgesetze und -vorschriften. (…)“ (gesamter Wortlaut: https://brasilieninitiative.de/vw)

Es ist unverständlich, dass ein Weltkonzern wie VW ein derart schäbiges Verhalten an den Tag legt und bewusst in Kauf nimmt, dass von den damaligen Landarbeitern immer weniger eine ihnen zustehende Entschädigung erleben.
Dieser Urteilsspruch nach Jahrzehnten wäre ohne das Engagement des Priesters Ricardo Rezende Figueira nicht denkbar gewesen. Er sorgte dafür, dass die Vorkommnisse auf der VW-Farm bereits in den 1980er Jahren an die Öffentlichkeit kamen und nicht in Vergessenheit gerieten.
Wer ist dieser Mann, der sich seit Jahrzehnten gegen jegliche Form der Sklaverei einsetzt?

Ricardo Rezende Figueira versus VW-Konzern - David gegen Goliath
                    
1985 trafen wir uns erstmals persönlich. Vorausgegangen war ein Briefwechsel, dem eine Einladung nach Deutschland folgte. Ricardo machte bundesweit auf mehreren Veranstaltungen auf die Geschehnisse auf der VW – Rinderzuchtfarm aufmerksam, bat um Unterstützung. Ein Ereignis aus der damaligen Zeit sei besonders erwähnt. In Freiburg wollte Ricardo wissen, wo der Bischof sein Domizil hat. So ging ich mit ihm zum Bischöflichen Ordinariat. Gleich bei der Ankunft wurden wir misstrauisch beäugt, hing wohl auch damit zusammen, dass Ricardo, äußerlich nicht als Priester erkennbar war. Wir wurden abgewiesen mit dem Hinweis, man könne nicht sagen, wo der Bischof wohne. Erstaunt nahm Ricardo dies zur Kenntnis. Diese Distanz zwischen „Volk“ und „Obrigkeit“ war für ihn in der brasilianischen Kirche unbekannt. Nach dieser ersten Begegnung entwickelte sich in den Folgejahren eine Freundschaft, die durch Besuche sich verstärkte und bis heute anhält.               

 

Geboren 1952 in Carangola im Hinterland des Bundesstaates Minas Gerais als eines von sechs Kindern studierte er zunächst Philosophie und Theologie an der Bundesuniversität von Juiz de Fora. 1976, mit 24 Jahren, ging er nach Conceição do Araguaia, im Bundesstaat Pará. Hier, einem Brennpunkt der Landkonflikte bis in unsere Zeit, erlebte er tagtäglich die Auseinandersetzungen um Land, das brutale Vorgehen der Landbesitzer und wie die Straflosigkeit für solche Taten den Alltag prägte. Dies sollte seinen Lebensweg prägen. Er engagierte sich in der gerade neu gegründeten Landarbeiterpastoral (Comissão Pastoral da Terra), dem links-progressiven Flügel der katholischen Kirche in Brasilien. Es war die Zeit der Befreiungstheologie, die sich in der lateinamerikanischen Kirche breit machte und vielen Menschen Hoffnung brachte. Ihr Ziel ist u.a. die Befreiung der Menschen von allen Formen der Unterdrückung. Von Beginn an engagierte sich Ricardo Rezende bei der Aufdeckung menschenunwürdiger Arbeitsverhältnisse. Das Thema der modernen Sklaverei beschäftigte ihn folglich in den kommenden Jahrzehnten. Seine offene Art und seine Empathie halfen ihm dabei und bewirkten, dass die Menschen ihm von Beginn an vertrauten.
Zwanzig Jahre lang arbeitete er in der Diözese von Conceição do Araguaia, übernahm nach seiner Priesterweihe 1980 auch die regionale Koordination der Landarbeiterpastoral und sah sich fortan ständigen Bedrohungen ausgesetzt. Als er 1988 die Gemeinde Rio Maria übernahm, nahmen die Morddrohungen ihm gegenüber zu. So stand auch sein Name auf verbreiteten „Todeslisten“ („marcado para morrer“ – „zum Tode verurteilt“). Zwei Ereignisse bestärkten ihn in seinem Engagement nicht nachzulassen: zum einen die Ermordung des Priesters Josimo Tavares (ermordet am 10. Mai 1986) und zum anderen die Ermordung des Landarbeiters, Gewerkschaftsführers und Poeten Expedito Ribeiro de Souza (ermordet am 2.2.1991 in Rio Maria, Pará). Beide Male waren die Auftraggeber Großgrundbesitzer.
Er organisierte in ganz Brasilien und auch auf internationaler Ebene Proteste gegen die herrschende Straflosigkeit. Solidaritätskomitees entstanden und zeitweise gab es bis zu 300 Unterstützungsgruppen, selbst in den USA. Verstärkt berichteten nun auch die Medien in Brasilien über die herrschende Gewalt auf dem Lande und die Verletzung der Rechte der Landarbeiter. Ricardo Rezende dokumentierte akribisch die Vorkommnisse. Mit Hilfe von Anwälten und Unterstützung anderer Organisationen wurden die Rechtsverletzungen vor Gericht gebracht undder Versuch unternommen, die Straflosigkeit und die alltäglich Gewalt auf dem Lande zu durchbrechen.

Wenn die Vorwürfe besonders schwerwiegend waren, brachte er den Arbeiter zu einem Notar oder zur Polizei, um eine offizielle Aussage zu machen. Über lange Zeit führte fast keiner der Fälle zu einer Untersuchung.
1994 gelang ein erster, wenn auch kleiner Erfolg: zwei von Großgrundbesitzern engagierte Auftragskiller (pistoleiros) wurden vor Gericht gestellt und für schuldig befunden. Padre Rezende selbst bekam in dieser Zeit bis 1997 Polizeischutz. Die Lage wurde für ihn immer prekärer und 1998 zog er aus Pará weg und lebte fortan in Rio de Janeiro. Er begann nochmals zu studieren, promovierte in Sozialwissenschaften und Anthropologie und baute eine Dokumentationsstelle zu Sklavenarbeit in Brasilien an der Bundesuniversität von Rio de Janeiro auf. Hier werden bis heute aktuelle Fälle sklavenähnlicher Arbeitsverhältnisse in Brasilien dokumentiert.

Unermüdlich im Kampf gegen Sklavenarbeit

Von den menschenverachtenden Zuständen auf der VW-Rinderzuchtfarm Rio Cristalino erfuhr Ricardo Rezende erstmals Mitte der 1970er Jahre, als drei Arbeiter, denen die Flucht gelungen war, ihn aufsuchten und ihm über die Zustände berichteten. Es hatte sich herumgesprochen, dass man in ihm einen Fürsprecher hatte, der die Geschehnisse nicht unter den Teppich kehrte. Die Landarbeiter beschrieben ihm ihren Lebensalltag, geprägt von Drohungen, unwürdigen Wohnverhältnissen, Gewaltanwendung. Die Rolle der von VW unter Vertrag genommenen „Arbeitsvermittler“ – „gatos“ (Katzen genannt) – und deren absolute Kontrolle über die Arbeiter beeindruckte ihn. Er ließ die Zeugenaussagen notariell beglaubigen und begann weitere Beweise zu sammeln. In der Folgezeit führte er immer wieder Interviews mit geflohenen Arbeitern wie 1981 mit Edivan Dias Alencar oder 1983, als fünf Arbeitern die Flucht gelang. Einer war erst 18, ein anderer 17 Jahre alt. Ihre Aussagen wurden auf Papier vor Zeugen festgehalten, die Männer erzählten Rezende, dass sich mehrere hundert Arbeiter auf der VW-Fazenda befänden. In der Hoffnung, dass dies für die Behörden ausreichen würde, bat er um ein Treffen mit dem Gouverneur des Bundesstaates Pará, Jader Barbalho, wurde jedoch abgewiesen.
Er gab nicht auf und beschloss, zusammen mit einem der jungen Männer nach Brasília zu fliegen. Es gelang ihm Interesse bei den Medien zu wecken. Am 7. Mai 1983 lautete die Schlagzeile in der brasilianischen Tageszeitung Correio Braziliense „Priester sagt, es gibt Sklaven auf der Volks-Farm.“ Seine öffentlich vorgetragene Anklage blieb nicht folgenlos. Im August desselben Jahres erfolgte eine polizeiliche Untersuchung der Anschuldigungen und selbst der Gouverneur des Bundesstaates Pará, Barbalho, konnte nicht mehr umhin zu bestätigen, dass die „gatos“ „ihre Vertragsarbeiter wie Sklaven behandeln“ und Sklavenarbeit auf der VW-Farm stattfände. Laut der Zeitung O Liberal, der größten Zeitung des Bundesstaates Pará, sagte er, der Fall werde an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
Aber ein Jahr später war immer noch nichts geschehen. Rezende fühlte sich zunehmend machtlos. Er wusste nicht, was er noch tun konnte. Dennoch führte er sein Bemühen fort, sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse zu dokumentieren. „Wir hatten Beweise”, sagte er. „Ich wusste, dass dies eines Tages wieder ans Licht kommen würde.”
Die Geschehnisse fanden damals in Brasilien wenig Beachtung, in Deutschland gelang dies eher. Printmedien wie Der Spiegel oder die Frankfurter Rundschau brachten Anfang der 1980er Jahre die Vorgänge in Deutschland an die Öffentlichkeit. Auch die Brasilieninitiative Freiburg e.V. stellte in ihrer Publikation BrasilienNachrichten (www.brasiliennachrichten.de) die Zustände auf der VW-Farm ausführlich dar. Die Resonanz war bescheiden, die Vorkommnisse auf der VW-Farm schienen in Vergessenheit zu geraten.

Aufarbeitung der Militärdiktatur bringt auch VW-Verhalten ans Licht

Es dauerte bis ins 21. Jahrhundert, bis VW sich – notgedrungen – seiner Vergangenheit in Brasilien stellte. Auslöser war der am 10. Dezember 2014 nach zweijähriger Arbeit überreichte Bericht der brasilianischen Wahrheitskommission an die damalige Präsidentin Dilma Rousseff. In diesem dreibändigen Bericht wurden die Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur 1964–1985 aufgearbeitet. Die Rolle von VW kam an die Öffentlichkeit, d. h. die Kollaboration mit der Militärdiktatur, die Verfolgung gewerkschaftlich aktiver Arbeiter im VW-Werk in São Bernardo do Campo, sowie wiederum die sklavenähnlichen Verhältnisse auf der VW-Rinderzuchtfarm im Bundesstaat Pará. VW sah sich gezwungen, sich den Vorwürfen zu stellen und beauftragte 2016 den Historiker Christopher Kopper mit der Aufarbeitung. Kopper recherchierte sowohl zur Zusammenarbeit mit der Militärregierung und der Verfolgung kritischer Gewerkschafter im Automobilwerk in São Bernado do Campo (Bundesstaat São Paulo), als auch zu den Vorwürfen in Bezug auf die VW-Rinderzuchtfarm Rio Cristalino in Amazonien und veröffentlichte 2017 unter dem Titel „VW do Brasil in der brasilianischen Militärdiktatur 1964 – 1985“ seine Ergebnisse. (https://www.volkswagen-group.com/de/publikationen/weitere/vw-do-brasil-in-der-brasilianischen-militaerdiktatur-1964-1985-1740)
Sein Urteil war eindeutig: „Das Management von VW do Brasil verhielt sich gegenüber der Militärregierung uneingeschränkt loyal und teilte ihre wirtschaftspolitischen und innenpolitischen Ziele.“ Volkswagen erklärte sich schließlich bereit, umgerechnet ca. 5,5 Millionen Euro an Entschädigung für die Vorkommnisse im VW-Werk zu bezahlen und gestand seine historische Verantwortung für die Kollaboration mit der Diktatur.
Für VW war dieses dunkle Kapitel der Firmengeschichte damit abgeschlossen. „Vergessen“ hatte man allerdings die Vorkommnisse auf der VW-Rinderzuchtfarm.

Neue Hoffnung

Die Studie von Christopher Kopper gab Ricardo Rezende neue Hoffnung. War es jetzt nicht auch an der Zeit, die Rinderfarm von Volkswagen genauer zu untersuchen? Er wandte sich 2019 an das Arbeitsministerium, Ministério Público do Trabalho (MPT), und übergab dem Staatsanwalt Rafael Garcia ein von ihm über viele Jahre erstelltes, detailliertes Dossier mit 600 Seiten. In diesem Dossier befanden sich unter anderem Zeugenaussagen von 69 mutmaßlichen Opfern aus den Jahren 1977 bis 1987, notariell beglaubigte Erklärungen, Polizeiaussagen, Gerichtsakten sowie jahrzehntealte Zeitungsausschnitte in Portugiesisch, Französisch und Deutsch. Dies alles dokumentierte die menschenunwürdigen Zustände auf der VW-Rinderzuchtfarm. VW hielt an der Fazenda Vale do Rio Cristalino rund 74 % der Anteile, wie es gegenüber der staatlichen Sudam (Superintendenz für Entwicklung der Amazonasregion) angab, um in den 1970er Jahren Steuerbefreiungen und Finanzierungen zu erhalten.

Nach ausgiebiger Prüfung der Akten war Staatsanwalt Rafael Garcia überzeugt, dass er einen fundierten Fall vorliegen hatte. Die verstrichene Zeit machte ihm keine Sorgen. In Brasilien gibt es für das Verbrechen, „jemanden in sklavenähnliche Verhältnisse zu bringen”, keine Verjährungsfrist. Allerdings verlangte er von Ricardo Rezende neben den vorgelegten Dokumenten das Auffinden damaliger Landarbeiter, um diese erneut befragen zu können.
Ein Mitarbeiter von Ricardo, Matheus Faustino, reiste mit dem Bus in die Gegenden, aus der damals die Arbeiter angeheuert worden waren und es gelang ihm 2022, vierzehn der neunundsechzig Opfer aus Rezendes Dossier ausfindig zu machen. Sie erklärten ihre Bereitschaft, falls notwendig, als Zeugen auszusagen.
Doch zunächst versuchte der Staatsanwalt eine außergerichtliche Vereinbarung mit VW zu erreichen. Eine erste Anhörung fand am 14. Juni 2022 in Brasília statt. Zwei weitere Anhörungen folgten (29.9; 29.11.2022), ohne Ergebnis. Was zunächst so aussah, als sei eine Verständigung möglich, endete abrupt bei einem erneuten Treffen am 23. März 2023 in São Paulo – die Verhandlungsführung von VW verließ den Tisch, brach die Gespräche ab.
Ricardo Rezende ließ sich nicht entmutigen. Er suchte erneut das Gespräch mit den juristisch Verantwortlichen und er hatte Erfolg: Am 5. Dezember 2024 erfolgte die Anklage gegen VW do Brasil wegen der sklavenähnlichen Zustände zwischen 1974 und 1985 auf der VW-Rinderzuchtfarm Rio Cristalino durch das brasilianische Arbeitsministerium. Während der Betriebsjahre der Fazenda von 1974 bis 1986 habe Volkswagen Sklavenarbeit und Menschenhandel in einem Ausmaß betrieben, das „allgemein und systematisch” gewesen sei, so die Bundesanwälte. Da die mutmaßlichen Missbräuche auf einem Grundstück stattfanden, das einer Tochtergesellschaft von Volkswagen gehörte, hoben die Staatsanwälte hervor, dass die Muttergesellschaft die letztendliche Verantwortung trage.
Am 30. Mai 2025 erfolgte die Ansetzung eines gerichtlichen Verfahrens, dem am 29. August 2025 die Verurteilung von VW folgte. (s. voranstehender Beitrag „Volkswagen wegen Sklavenarbeit verurteilt“) Sogleich nach der Urteilsverkündung kündigte VW an, in die Berufung zu gehen.

Der weitere Fortgang ist offen. Es scheint, dass VW lieber unzählige Summen für Anwälte ausgibt statt den noch lebenden Landarbeitern eine Entschädigung zuzugestehen. Angesichts der erdrückenden Beweislage ist es schwer vorstellbar, dass der Einspruch Erfolg hat. Bereits jetzt ist dieses Urteil als historisch anzusehen, dürfte es doch Auswirkungen auf die immer noch herrschenden sklavenähnlichen Arbeitsverhältnisse in Brasilien haben.
Und dies ist letztlich der Beharrlichkeit eines Mannes, Ricardo Rezende Figueiro, zu verdanken. Ohne sein Bemühen wären die sklavenähnlichen Arbeitsverhältnisse auf der VW-Rinderzuchtfarm in Vergessenheit geraten. „Goliath“ wurde erneut besiegt.

„Muitas vítimas já morreram. Os que estão vivas, quase cinco décadas depois estão idosas, algumas enfermas, e nenhum ainda recebeu da empresa o pedido de desculpas e um gesto reparador pelo mal cometido.
Não se trata de qualquer crime. A escravidão é um crime contra a humanidade. É um crime imprescritível.“

„Viele Opfer sind bereits verstorben. Diejenigen, die noch leben, sind fast fünf Jahrzehnte später sehr alt, einige krank, und keiner von ihnen hat bisher eine Entschuldigung oder eine Wiedergutmachung für das begangene Unrecht von dem Unternehmen erhalten.
Es handelt sich nicht um irgendein Verbrechen. Sklaverei ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es ist ein Verbrechen, das nicht verjährt.“
                                                                                                                                                                                        Ricardo Rezende, 16.09.2025

 

Ricardo Rezende Figueira lehrt als Professor für Menschenrechte an der Föderalen Universität von Rio de Janeiro, UFRJ, und ist dort zugleich Koordinator der Studiengruppe Zeitgenössische Sklaverei. Als Ausgleich hat er sich der Malerei verschrieben und sich auch als Künstler Anerkennung erworben.
Für sein Engagement für die Menschenrechte erhielt Ricardo zahlreiche Auszeichnungen, darunter der angesehene Jabuti-Preis. Auch ist er Ehrenbürger von Conceição do Araguaia, Rio Maria, Juiz de Fora und Belo Horizonte und Träger der Chico-Mendes-Widerstandsmedaille der Gruppe Tortura Nunca Mais („nie wieder Folter“).

aus: BrasilienNachrichten 172/2025