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VW- Prozeß wegen Sklavenarbeit - Endgültige Entscheidung steht bevor

Anlässlich der bevorsehenden Urteilsverkündung erreichte uns folgendes Schreiben aus Brasilien
14.Februar 2026

Volkswagen erneut wegen sklavenähnlicher Arbeitsbedingungen in Pará vor Gericht

BELÉM/PA – Volkswagen steht in den kommenden Wochen ein entscheidendes Gerichtsverfahren wegen sklavenähnlicher Arbeitsbedingungen auf seinem ehemaligen Grundstück, der Fazenda Vale do Rio Cristalino in Santana do Araguaia (PA), bevor. Die Vorfälle, die sich zwischen den 1960er und 1980er Jahren ereigneten, stellen die Unternehmensverantwortung für schwere Menschenrechtsverletzungen im Amazonasgebiet während der Militärdiktatur in Frage.
Hintergrund und Millionenstrafe
Im August 2025 befand das Arbeitsgericht in einer vom Arbeitsministerium (MPT) angestrengten Zivilklage Volkswagen für schuldig, Sklavenarbeit eingesetzt zu haben, und verurteilte das Unternehmen zur Zahlung von 165 Millionen Real für kollektive immaterielle Schäden. Trotz der zahlreichen Beweise, die im Laufe des Verfahrens vorgelegt wurden, und der gerichtlichen Anerkennung der Versklavung von Arbeitnehmern legte das Unternehmen Berufung ein. Der Fall befindet sich nun in der zweiten Instanz und wird am 24. Februar um 9 Uhr vom Regionalen Arbeitsgericht der 8. Region (TRT8) in Belém verhandelt.
TRT8: Vorreiter im Kampf gegen Sklavenarbeit
Das Urteil wird unter der Zuständigkeit eines Gerichts gefällt, das national für seine historische Vorreiterrolle bekannt ist. Das TRT8 hat 1976 das erste Urteil zu Sklavenarbeit in Brasilien gefällt. Das Gericht hat eine lange Tradition strenger Urteile und der Verhängung hoher Schadenersatzzahlungen für menschenunwürdige Arbeit und bekräftigt damit seine Vorreiterrolle bei der Verteidigung der Menschenwürde und der Verhängung von Strafen, die auf vollständige Wiedergutmachung und einen pädagogischen Charakter abzielen.
Einzelklagen
Zusätzlich zu der vom MPT im Dezember 2025 eingereichten öffentlichen Zivilklage wurde Volkswagen von vier Landarbeitern verklagt, die das Unternehmen beschuldigen, sie Ende der 1980er Jahre auf der Fazenda Vale do Rio Cristalino moderner Sklaverei ausgesetzt zu haben. Die Arbeiter fordern eine Entschädigung in Höhe von 2.000.000,00 R$ (zwei Millionen Real) für moralische und existenzielle Schäden. Die Klagen warten auf ihre Verhandlung in erster Instanz vor dem Arbeitsgericht. 

Soziale Relevanz und Erinnerung
Diese Reihe von Gerichtsverfahren rückt die historische Verantwortung großer Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen im Amazonasgebiet wieder in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Es geht nicht nur um finanzielle Entschädigung, sondern um die Anerkennung der historischen Wahrheit und die Bekräftigung, dass moderne Sklaverei ein Verbrechen ist und zur Rechenschaft gezogen werden muss.


14. Februar 2026
Studiengruppe zur Bekämpfung der Sklavenarbeit der UFPA, Frei Henri Burin des Rosiers; Kollektiv Veredas: Pastorale Landkommission Pará; Forschungsgruppe Zeitgenössische Sklavenarbeit/NEPP-DH/UFRJ
übersetzt mit Hilfe von deepl